Kleine, aber feine Artikel aus meiner Facebookseite

                                                                                                                                                 14.12.2021

KPU/HPU bei Hashimoto 

 Teil 2 
                                                                                                            

Die Störungen der Hämsynthese können somit Auswirkungen haben auf Blutzucker, Hormone, auf die entgiftenden Enzyme (CYP450), Mitochondrien und das GABA-System (siehe unten). 

Der „Papst“ der Kryptopyrrolurie war der amerikanische Psychiater Dr. Dr. Carl C. Pfeiffer (1908-1988), der mit seinen Kollegen in den 60er Jahren auf der Suche nach biochemischen Zusammenhängen psychischer Erkrankungen war und feststellte, dass ein Großteil der psychotischen und insbesondere schizophrenen Patienten den sogenannten Mauve-Faktor ausschieden, was nichts anderes war als Pyrrol, das sich im Urin malvenfarbig anfärben ließ. Die Krankheit wurde damals Malvaria genannt. Fraglich dabei war allerdings, ob diese erhöhten Ausscheidungen auf Abbaustoffe der Medikamente zurückzuführen waren. 

Dennoch fiel auf, dass schwerkranke, dement und zappelig wirkende Kinder der Kinderpsychiatrie erhöhte Pyrrol-Werte aufwiesen und bei vielen psychiatrische Patienten mit hektischer Nervosität massive Mängel an Mangan, Zink und Vitamin B6 nachgewiesen wurden. 

Dr. Pfeiffer war auch einer der ersten, der die Bedeutung von GABA-Rezeptoren im Gehirn für das Wohlbefinden beschrieb. GABA ist ein Botenstoff, der die Nerven „beruhigt“.

GABA = Gamma-Aminobuttersäure und wird im Gehirn und der Bauchspeicheldrüse aus Glutamat (Salz der Glutaminsäure) gebildet und wirkt so einerseits modulierend-antagonistisch (also gegensätzlich) zu dem anregenden Glutamat und andererseits wird so verhindert, dass zu viel Glutamin potenziell zelltoxisch wirken kann. 

Heute wissen wir, dass es verschiedene GABA-Rezeptoren im Körper gibt mit unterschiedlichen Wirkungen und GABA auch im Darm von speziellen Darmbakterien gebildet werden kann.

Glutamat kennen wir als Geschmacksverstärker, v.a. in chinesischen Speisen. Stark gewürzte Speisen mit Glutamat wirken aktivierend und gerade Kinder können davon zappelig und nervös werden, wenn sie zu viel davon essen, aber auch bei Erwachsenen kann es zum Beispiel zu Blutdruckerhöhungen, Herzklopfen, Hitzegefühl, extremer Wachheit etc. kommen. 

Und hier kommt Vitamin B6 ins Spiel. 

Wie im ersten Teil schon erwähnt, wird bei KPU Vitamin B6 zusammen mit Zink und Mangan vermehrt über den Urin ausgeschieden und führt letztendlich zu Mangelzuständen.

Vitamin B6 (Pyridoxin) ist am Aufbau der Neurotransmitter wie Serotonin, Dopamin, Noradrenalin und eben auch GABA beteiligt. So kann es durch einen Mangel an B6 einerseits zu Antriebsschwäche durch Serotoninmangel und andererseits zu Nervosität und Aufmerksamkeitsdefiziten kommen. 

Einerseits ist man wie „aufgezogen“ und fühlt sich unter Strom, andererseits aber auch völlig abgeschlagen, nicht mehr leistungsfähig und lustlos. Infekte, Allergien oder Nahrungsunverträglichkeiten häufen sich, weil ein B6-Mangel dazu führen kann, dass Histamin nicht mehr richtig abgebaut werden kann. In Stresszeiten können sich die Symptome noch verschlimmern oder überhaupt erst auftreten. 

Bei Kindern mit extremer Nervosität, ADS, Kopfschmerzen, Migräne und Neigung zu Allergien kann man auch an KPU denken und es wäre sicher lohnenswert, das zu überprüfen. 

Vitamin B6 hat außerdem noch vielfältige andere Aufgaben. 

Es hilft beim Auf- und Abbau von Kohlehydraten, Proteinen und Fetten. Es hilft, Homocystein zu entgiften - die Aminosäure, die bei Überschuss ein Risiko für Arterienverkalkung darstellt, hilft beim Aufbau von Hämoglobin und Isolierung der Nerven und Aufbau der Hirnzellen… 

Der Vitamin B6-Mangel ist manchmal der gravierendste Mangel bei einem Menschen mit KPU.

Mangan und Zink gehen bei KPU ebenfalls in erhöhtem Maße verloren.

Mangan ist Cofaktor für viele wichtige Enzyme und an sehr vielen Schaltstellen im Stoffwechsel beteiligt. Zudem ist es wichtig für die Bildung von Insulin und die Entgiftung der Zellen... 

Zink wirkt entzündungshemmend, stärkt das Immunsystem, ist an der Bildung von Bindegewebe und Schleimhaut beteiligt, wichtig für die Bildung von Hormonen und Neurotransmittern u. v. m.…

Aussehen bei KPU

Bei Menschen mit KPU sind die Gelenke oft überstreckbar, das Bindegewebe ist schwach und reißt, die Fingernägel sind brüchig und haben weiße Flecken und die Haut neigt zu Akne, Ekzemen oder Psoriasis. 

Fazit:

Wenn du dich in diesem Artikel wiederfindest, wäre es eventuell sinnvoll, einen KPU-Test zu machen und dein Blut auf Mängel an Mangan, Zink, Eisen, Ferritin und Vitamin B6 oder besser die aktive Form des Vitamin B6, das Pyridoxal-5-Phosphat (P-5-P), bestimmen zu lassen. 

Vorhandene Mängel werden vor allem in Stresszeiten sicher nicht über die Ernährung ausgeglichen werden können und die Speicher müssen auf jeden Fall wieder aufgefüllt werden mit den jeweiligen Vitalstoffen, am besten unter Blutbildkontrolle. 

Sehr wichtig ist, die Leber zu unterstützen, auf eine gute Entgiftung zu achten und vor allem jeglichen Stress schnellstmöglich wieder abzubauen oder am besten erst gar nicht aufkommen zu lassen, damit sich die Symptomatik nicht noch verschlechtert. 

Ist KPU erst einmal erkannt, können mit der richtigen Ernährung, zeitweisen Ergänzung mit Vitalstoffen, Verbesserung der Entgiftung und nötiger Stressresilienz die Symptome längerfristig deutlich vermindert oder beseitigt werden.


                                                                                                                                                 24.11.2021

KPU/HPU bei Hashimoto

Teil 1

Diese Stoffwechselstörungen sind in Deutschland recht wenig bekannt, obwohl KPU schon in den 1970er Jahren in der USA beschrieben wurde.

In Amerika wird nicht zwischen KPU und HPU unterschieden, sondern beide Krankheitsbilder werden als „Pyrrolics“, hierzulande auch einfach als Pyrroliker bezeichnet.

KPU = Kryptopyrrolurie, was so viel bedeutet wie versteckte Pyrrole im Urin, 

HPU = Hämopyrrollaktamurie, also Hämopyrrolllaktam im Urin.

Interessant ist, dass diese Störungen häufig mit einer Hashimoto-Erkrankung korrelieren und auch hier mehr Frauen als Männer betroffen sind. 

Leider findet diese Tatsache in Deutschland kaum Beachtung. Gerade wenn es trotz guter Hormonsubstitution zu keiner richtigen Besserung der Symptome kommt, könnte man recht einfach über einen Urintest feststellen, ob hier ein Problem mit Pyrrolen vorliegt. 

Pyrrole sind zum Beispiel Bestandteil unseres Blutfarbstoffes, dem Hämoglobin. Sie halten das zentrale Eisenatom praktisch fest und nur so kann der Sauerstoff in die Zellen transportiert werden. 

Pyrrole sind auch die Basis der Zytochrom-P-450-Enzyme in der Leber. Auch sie benötigen Eisen und sind enorm wichtig für die Entgiftung. 

Ein Enzymdefekt, der genetisch bedingt, aber auch erworben sein kann - zum Beispiel durch eine Bleivergiftung - kann somit zu Hämsynthesestörungen führen, wodurch die Pyrrole im Blut ansteigen und über die Nieren ausgeschieden werden müssen. Das Fatale dabei ist, dass die Pyrrole mit aktivem Vitamin B6, Zink und Mangan einen Komplex bilden, der dann ausgeschieden wird. 

So gehen dem Körper auf Dauer erhebliche Mengen der Vitalstoffe verloren, was wiederum andere Stoffwechselvorgänge behindert.

Welche Symptomenbilder dadurch entstehen können und welches äußere Erscheinungsbild „Pyrroliker“ haben, erfährst du im zweiten Teil. 


 

                                                                                                                                               27.09.2021

Leaky Gut bei Hashimoto - Wie entsteht es und was kann ich tun?

Teil 3 

Eine Stuhluntersuchung kann gute Dienste leisten, um einen Leaky Gut festzustellen und auch dessen Verlauf zu kontrollieren. 
Ist zum Beispiel der Schleimhautmarker Zonulin im Darm erhöht, kann man davon ausgehen, dass die Darmbarriere bereits gestört. Alpha 1 - Antitrypsin gibt zusätzlich Hinweise auf entzündliche Vorgänge im Darm und der Nachweis von Calprotectin kann die Diagnose ergänzen. 
Zusätzlich kann man eine Mikrobiomuntersuchung veranlassen, um mögliche Bakteriendysbalancen festzustellen.
Jetzt gilt es zuerst einmal, mögliche Triggerfaktoren auszuschalten und die Ernährung dementsprechend umzustellen. 
Sehr oft verbessern sich die Beschwerden schon mit Verzicht auf Gluten, sonstige Lektine und Casein1. Ich selbst habe inzwischen festgestellt, dass ich Nachtschattengewächse ohne Probleme essen kann, mir aber Hülsenfrüchte jeglicher Art nicht guttun.   
Damit der Darm letztendlich heilen darf, gibt es viele Möglichkeiten zur Unterstützung:  
Eine Unterstützung mit der Einnahme von Darmbakterien mit einer großen Bandbreite für 3 Monate. Wenn eine Mikrobiomuntersuchung veranlasst wurde, dann natürlich speziell darauf ausgerichtete Bakterien. 
Akazienfasern eignen sich super als Ballaststoff und Futter für butyratbildende Bakterien.
L-Glutamin zur Darmregeneration. Knochenbrühe ist zum Beispiel l-glutaminhaltig. 
Weihrauch, Ingwer, Curcuma und Myrrhe und auch Heilpilze unterstützen den Heilungsprozess.
Zusätzlich hilfreich ist die Einnahme von Vitamin A, Vitamin D, Zink und Omega 3.
Mit der Ausheilung des Leaky Gut verbessern sich meist Unverträglichkeiten und Allergien, außerdem können Mikronährstoffe und Vitamine wieder besser aufgenommen werden, was gerade bei Hashimoto oft ein Problem darstellt.
Nicht zu vernachlässigen ist außerdem, dass auch in einem gesunden Darm das Schilddrüsenhormon T4 in die aktive Form T3 abgebaut wird.
Es ist schwer, dieses Thema kurzzuhalten. Ich hoffe trotzdem, ich konnte einen guten Überblick verschaffen. 



26.08.2021

Leaky Gut bei Hashimoto - Wie entsteht es und was kann ich tun?

Teil2
 
Welche Stoffe haben überhaupt das Potenzial, die Schleimhautbarriere aufzubrechen und Entzündungsreaktionen hervorzurufen?
Ich liste hier einmal einige interessante Stoffe auf, die man vielleicht normalerweise so nicht in Verbindung mit einem Leaky Gut bringen würde. 
Dazu gehört zum Beispiel die Carboxymethylcellulose. Sie ist in der EU als Lebensmittelzusatzstoff mit der E-Nummer E 466 zugelassen. CMC wird zur Stabilisierung in Lebensmitteln und auch Kosmetikprodukten verwendet. Man findet E 466 zum Beispiel in Speiseeis, Mayonnaise, Gelee, Backwaren oder auch Soßen.
Polysorbat 80 ist als Lebensmittelzusatzstoff E 433 zugelassen. Dieser Emulgator wird künstlich hergestellt und ist beispielsweise in Eiscreme oder Margarine enthalten, findet sich aber auch in Medikamenten, Tabletten, Injektionslösungen oder Impfungen.
Gluten, das Klebereiweiß verschiedener Getreidearten, ist wohl der bekannteste Stoff, der für einen Leaky Gut verantwortlich gemacht wird. 
Casein 1 ist in Kuhmilch-Produkten enthalten, die von unserer gefleckten Kuh stammen. Milch von braunen Weidekühen, Ziegen oder Schafen enthalten das Casein 2 mit etwas anderer Zusammensetzung, die unschädlicher sind für den Darm. 
Hormonmängel wie beispielsweise bei einer Schilddrüsenunterfunktion, Progesteronmangel, Östrogenmangel oder Testosteronmangel machen den Darm träge, trocknen ihn aus und führen dazu, dass sich die Tight Junctions der Darmbarriere öffnen können (Estriolmangel führt auch im Darm zu trockenen Schleimhäuten). 
Zudem kann Alkohol zu einer Durchlässigkeit der Darmbarriere führen und jegliche Art des emotionalen und körperlichen Stresses, der unsere Stressachse überfordert, birgt die Gefahr in sich, einen Leaky Gut auszulösen. 
Teil 3 folgt in Kürze. Da werde ich auf Stoffe eingehen, die bei einem bestehenden Leaky Gut gute Dienste leisten. 



17.08.2021 

Leaky Gut bei Hashimoto - Wie entsteht es und was kann ich tun?

 

Teil 1  

Wie wir heute wissen, sitzen im Darm ungefähr 70-80% unserer Immunzellen. Somit ist er unser größtes Immunorgan und über das darmassoziierte lymphatische Gewebe (GALT) maßgeblich an der Antikörperproduktion beteiligt. 

Bei Autoimmunerkrankungen, wie zum Beispiel auch bei Hashimoto, findet sich die Ursache zu einem Großteil in einer gestörten Darmbarrierefunktion. Einiges habe ich auch schon im Post „Hashimoto und der Darm“ geschrieben. 

Kommt es zu keinem Stillstand der Entzündungsreaktion bei Hashimoto und finden sich immer wieder erhöhte Antikörper gegen TPO (Thyreoperoxidase) der Schilddrüse, wäre es sicher einmal ratsam, sich näher mit den Entstehungsmechanismen und Heilungsansätzen des Leaky Gut zu beschäftigen. 

Leaky Gut oder auch „undichter“ Darm bedeutet, dass sich die engen Verbindungen, die sogenannten Tight Junctions, in der Darmwand öffnen. Dadurch können Bakterien, Toxine, Viren und sogar Nahrungsbestandteile aus dem Darm in den Blutkreislauf gelangen, wo sie nichts zu suchen haben und unser Immunsystem dazu veranlassen, in den Angriffsmodus zu gehen. 

Gelangen zum Beispiel Endotoxine (Lipopolysaccharide, LPS) beim Zugrundegehen von gramnegativen Darmbakterien in den Blutkreislauf, kann dies zu heftigen Entzündungsreaktionen und chronisch-entzündlichen Prozessen führen, die den Körper belasten. 

Zudem fängt das Immunsystem auch an, normalerweise unbedenkliche Stoffe aus der Nahrung als Antigene zu attackieren und Entzündungsschübe auszulösen, um all diese Bedrohungen außer Gefecht zu setzen. 

Finden sich Antikörper gegen LPS im Serum, kann das auf eine stille chronische Entzündung hinweisen. Wichtig zu wissen ist auch, dass es zu einem Serotoninmangel kommt, da Tryptophan nicht zu dem Glückshormon Serotonin, sondern vermehrt zu Kynurenin verstoffwechselt wird, was zu einer depressiven Symptomatik führen kann. Nicht zu erklärende depressive Verstimmungen können also auch mit einem Leaky Gut einhergehen. 

Der Gastroenterologe Dr. Alessio Fasano hat herausgefunden, dass bei allen Autoimmunerkrankungen drei Faktoren zugrunde liegen: eine genetische Disposition, Antigenexposition (Substanzen, gegen die der Körper Antikörper bildet) und ein Leaky Gut. 

Gegen die genetische Komponente können wir vielleicht nicht so viel ausrichten, aber die beiden anderen Faktoren sollten sich zumindest minimieren lassen. 

Fortsetzung folgt… 


21.06.2021 

Na-Selenit oder Selenomethionin? - Das ist eine gute Frage

Natriumselenit kommt in seiner natürlichen Form in Trinkwasser vor. Es ist die häufigste anorganische Form des Selens und wird bei Zufuhr kontrolliert in den Selenmetabolismus integriert. 
Selenomethionin ist die häufigste Selenform in unserer Nahrung. Es wird bei Aufnahme einerseits teilweise in den Selenmetabolismus integriert, andererseits unreguliert in den Methionin-Kreislauf gespeist. Es gilt als die organische Form des Selens. 
Methionin selbst ist eine essentielle Aminosäure. Das heißt, wir müssen Sie über die Nahrung zuführen. Methionin enthält einen für den Körper wichtigen Schwefelanteil und ist die Vorstufe der Aminosäuren Cystein und Taurin. Außerdem ist es an der Bildung des Antioxidans Glutathionperoxidase beteiligt und trägt zum Beispiel zur Harnansäuerung bei.
Die stoffwechselaktive Form, das S-Adenosyl-Methionin (SAM), ist unerlässlich, um Serotonin in unser Schlafhormon Melatonin umzuwandeln.
So könnte man meinen, mit der Aufnahme von Selenomethionin zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. 
Untersuchungen haben ergeben, dass Selenomethionin unspezifisch aufgenommen und in den Methioninkreislauf aufgenommen wird. Wieviel Selen eingebaut wird und wieviel Selen davon tatsächlich in den Selenmetabolismus kommt, ist nicht hervorsehbar.  Das heißt, Selen reichert sich in den Zellen an und wird nicht oder nur sehr schwer ausgeschieden.
Im Gegensatz dazu wird Na-Selenit kontrolliert in den Selenkreislauf integriert und dadurch, dass es wasserlöslich ist, wird überschüssiges Selen wieder ausgeschieden und reichert sich nicht an.
In Nahrungsergänzungsmitteln findet man auch häufig Selenhefe. Diese Selenform wird zwar aus Na-Selenit hergestellt, aber in Verbindung mit dem Pilz Saccharomyces cerevisae entsteht daraus wiederum eine Selenomethionin-Quelle.
Gerne werden auch Paranüsse als natürliche Selenquelle propagiert. Paranüsse enthalte sehr große Mengen an Selen. Eine Paranuss alleine kann bis zu 400 µg!! enthalten. Auch hier dreht es sich um Selenomethionin. Der Verzehr von ein bis zwei Paranüssen pro Tag kann somit den Selenspiegel auf ein gefährliches  Level anheben. Außerdem speichern Paranüsse Radioaktivität und sind oft zusätzlich mit lebertoxischen Schimmelpilzen belastet. Hier ist also Vorsicht geboten.  
Selenomethionin ist somit nur angebracht bei starkem Selenmangel, der schnell behoben werden soll. Wieviel davon im Selenkreislauf landet, ist trotzdem recht unkontrolliert. 
Die bessere Wahl ist immer Na-Selenit oder auch Na-Selenat, da beide Formen wasserlöslich sind.
In beiden Fällen ist ratsam, von Zeit zu Zeit den Selenspiegel im Vollblut bestimmen zu lassen. 


25.05.2021

Diabetes und Hashimoto?

Anlässlich der Schilddrüsenwoche im April 2021 hat die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) auf den Zusammenhang von Hashimoto und Diabetes Typ1 hingewiesen. 
Hashimoto gilt als eine häufige Begleiterscheinung bei Diabetes Typ1 und wird oft erst erkannt, wenn trotz guter Einstellung mit Insulin der Stoffwechsel plötzlich entgleist.  
Kann man nun im Umkehrschluss behaupten, dass mit Hashimoto-Diagnose auch die Gefahr eines Diabetes Typ1 gegeben ist?
Festzustellen ist, dass Autoimmunerkrankungen anscheinend nicht gerne alleine sind . Atrophische Gastritis Typ A, Vitiligo, Zöliakie, Morbus Addison, Fibromyalgie oder Rheumatoide Arthritis sind einige davon und eben auch Diabetes Typ1.
Die Häufigkeit, mit Hashimoto zusätzlich an Diabetes Typ1 zu erkranken, scheint geringer zu sein als mit Diabetes Typ1 an Hashimoto zu erkranken. Hierzu sind sicher noch ein paar aussagekräftige Studien nötig. 
Aber auch ohne diagnostizierten Diabetes Typ1 finden sich bei Hashimoto, trotz gut eingestellter Schilddrüsenwerte, gehäuft Symptome durch starke Blutzuckerschwankungen, die manchmal nicht so einfach von anderen Hashimoto-Symptomen zu unterscheiden sind. Hierzu zählen Schwindel, Zittern, Herzklopfen, Unruhe, Schwäche trotz Nervosität, Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen oder Hungergefühl mit Übelkeit. 
Ausgelöst wird dieser Zustand oft durch kohlenhydrat- oder zuckerreiche Lebensmittel, die dafür verantwortlich sind, dass der Blutzuckerspiegel zuerst stark ansteigt und in der Folge massiv abfällt und zu einer Unterzuckerung führt. 
Interessant ist auch ein Forschungsartikel von 2014, der im „Journal of Diabetes & Metabolic Disorders“ veröffentlicht wurde. Hierbei wird ein Zusammenhang zwischen hohen TPO-Antikörpern im Blut und einem erhöhten Nüchternblutzucker vermutet. 
Fazit: Auch ohne Diabetes-Diagnose und/oder beginnende Insulinresistenz ist eine kohlenhydratarme Ernährung ratsam, um Blutzuckerspitzen zu vermeiden, auf eine proteinreiche Ernährung zu achten und ein Auge auf die „Glykämische Last“ einzelner Lebensmittel zu werfen. 


20.04.2021

Wie aussagekräftig ist der TSH-Wert und welche Faktoren beeinflussen ihn? 

Der TSH-Laborwert wurde in den 70er Jahren entwickelt. Dafür hat man viele verschiedene Laborwerte zusammengetragen und einen aussagekräftigen Referenzbereich ermittelt, der für eine euthyreote, also normal funktionierende Schilddrüse sprechen soll. Je nach Labor liegt dieser Bereich ungefähr bei 0,27 - 4,2 µlU/ml. 
Werte über 4,2 µlU/ml sind einer Hypothyreose und Werte unter 0,27 µlU/ml einer Hyperthyreose zuzuordnen.
Ein gutes Befinden oberhalb oder unterhalb dieses Referenzbereichs ist aber nicht selten. Häufig zeigt sich mit einem TSH-Wert im oberen Normalbereich kein gutes Befinden und starke Symptome einer Hypothyreose (Unterfunktion), genauso wie sich erst Wohlbefinden mit einem sehr niedrigen TSH-Wert einstellt und keine Symptome einer Hyperthyreose (Überfunktion) zu verspüren sind. 
Leider richtet sich die Therapie bei Hashimoto immer noch sehr oft alleine nach dem TSH-Wert. 
Was ist der TSH-Wert überhaupt?
TSH ist die Abkürzung für „Thyroidea stimulierendes Hormon“. Thyroidea ist das lateinische Wort für Schilddrüse. Richtigerweise wird dieser Wert auch Thyreotropin genannt, da hier besser ersichtlich ist, dass dieses Hormon nicht von der Schilddrüse ausgeschüttet wird, sondern von der Hypophyse im Gehirn.
Schilddrüse und Hypophyse sind in einem Regelkreis miteinander verbunden. Benötigt der Körper mehr Schilddrüsenhormone, stößt die Hypophyse mit der TSH-Ausschüttung die Schilddrüse an, mehr Hormone zu bilden. Die Hypophyse selbst wird wiederum vom Hypothalamus, einem der Hypophyse übergeordneten Organ im Gehirn und seinem Hormon TRH (Thyreoliberin) gesteuert. 
In der Klinik haben wir früher oft TRH-Tests durchgeführt, um zum Beispiel die Funktion der Hypophyse zu überprüfen, heute wird diese Untersuchung nur noch selten durchgeführt. 
Inzwischen gibt es viele Studien darüber, welche Faktoren und Medikamente den TSH-Spiegel und auch die Schilddrüsenwerte verändern können. 
Der TSH-Wert kann sich alleine schon im Verlauf des Tages verändern.  Genauso können zum Beispiel hochdosierte Azetylsalicylsäure (ASS), Heparin, Glukokortikoide, Amiodaron (Herzmedikament), Lithiummedikamente (Antidepressiva), schwere akute oder chronische Erkrankungen und auch längerfristiges Hungern oder Rauchen den TSH-Spiegel verändern. Außerdem gibt es Hinweise, dass GABA die Ausschüttung von TSH behindern könnte.  
Bekannt ist auch, dass durch eine Supplementierung von Biotin, ein B-Vitamin, TSH und auch die Schilddrüsenwerte verfälscht werden können. Darauf weisen selbst die Labore in ihren Befunden hin. 
Einzig bei sehr niedrigem TSH-Wert bei gleichzeitig niedrigen Schilddrüsenwerten ist der TSH wertvoll, da hier das Problem dann an einer Erkrankung der Hypophyse oder des Hypothalamus zu finden ist (sekundäre oder tertiäre Hypothyreose).    
Überlässt man die Therapie alleine dem TSH-Wert und bezieht  nicht die Schilddrüsenwerte fT3 und fT4 mit ein, wird sich oftmals kein Wohlbefinden einstellen.  
Fazit:
Der TSH-Wert alleine ist nicht sehr aussagekräftig. Um das Schilddrüsengeschehen genauer beurteilen zu können, sollten die freien Schilddrüsenwerte, Medikamenteneinnahmen und darüber hinaus das individuelle Befinden unbedingt mit einbezogen werden. 


01.04.2021

Antioxidantien - wichtig bei Hashimoto

Bei jedem Stoffwechselprozess fallen freie Radikale an. Freie Radikale sind sehr reaktive und aggressive Sauerstoffmoleküle, die versuchen, einem anderen Molekül Elektronen zu entreißen. Dies kann zu einer Kettenreaktion führen. Die Folge davon ist „oxidativer Stress“ im Körper. 
Oxidativer Stress erhöht das Risiko für Autoimmunerkrankungen und durch Autoimmunprozesse fallen durch die Entzündungsprozesse wiederum sehr viele freie Radikale an, die vom Körper eliminiert werden müssen. 
Bei der Produktion der Schilddrüsenhormone fallen kontinuierlich große Mengen an freien Radikalen an. Hier kommt Selen ins Spiel, denn Selen befindet sich nicht nur in den Deiodasen für die Hormonherstellung sondern ist auch in der Glutathionperoxidase enthalten, die das bei der Hormonproduktion anfallende Wasserstoffperoxid neutralisiert. Damit wird die Schilddrüse geschützt, damit die freien Radikale keine Schäden anrichten können und dadurch Schilddrüsengewebe zerstört wird.
Glutathion ist ein wichtiges Antioxidans. Es wird in der Leber aus den Aminosäuren Glutaminsäure, Cystein und Glycin gebildet. Es ist Bestandteil der Glutathionperoxidase, befindet sich aber auch in den roten Blutkörperchen (Erythrozyten) und Immunzellen wie zum Beispiel den Lymphozyten. Glutathion selbst wird oral aufgenommen nur sehr schlecht resorbiert. Die Vorstufen N-Acetylcystein oder S-Adenosylmethionin eignen sich besser, um den Glutathionspiegel anzuheben. 
Astaxanthin gilt als starkes Antioxidans. Dieser Farbstoff ähnelt ß-Carotin und wird von Grünalgen gebildet, die unter schlechten Bedingungen diesen orange-rosa Farbstoff bilden. Die Farbe der Lachse, Lachsforellen, Flamingos oder Krebse kommt von Astaxanthin, entweder zugefüttert oder durch Verzehr der Algen oder Krebse.
Ubichinon oder auch Q10 genannt ist ein weiteres antioxidativ wirkendes Coenzym. Q10 verbessert somit nicht nur die Energieproduktion in den Mitochondrien, sondern schützt auch vor oxidativem Stress.
Andere bekannte Antioxidantien sind auch noch Vitamin C, E und ß-Carotin.  


23.03.2021 

T3 ist nicht gleich T3

Die zwei bekanntesten Hormone, wenn es um die Schilddrüse geht, sind T4 (Thyroxin) und T3 (Triiodthyronin).  T3 wird nur zu einem kleinen Teil in der Schilddrüse aus T4 gebildet, die meiste Umbildung von T4 zu T3 findet im peripheren Gewebe über verschiedene Deiodasen statt. 
T4 ist sozusagen ein Prohormon und sagt somit etwas aus über die allgemeine Schilddrüsenleistung, aber nicht, wieviel aktives Hormon T3 tatsächlich gebildet werden kann.
Der größte Teil des gesamten T3 ist an Eiweiße gebunden, nur etwa 1% davon liegt in Form von fT3 (freies Trijodthyronin) vor, der biologisch aktiven Form. 
Interessant ist, dass aus T3 zahlreiche Unterhormone hergestellt werden mit ganz unterschiedlichen Wirkungen. Thyroacetate wirken zum Beispiel agonistisch und arbeiten mit T3 zusammen, während Thyronamine antagonistisch arbeiten eine eventuell überschießende Reaktion von T3 senken. Thyronamine senken zum Beispiel die Herzfrequenz oder regeln die Körpertemperatur herunter.
Welches Mischungsverhältnis physiologisch ist oder welche Stoffwechselwege und Rückkoppelungsvorgänge funktionieren müssen, ist noch nicht vollständig geklärt. 
Ein wichtiges inaktivierendes und bremsendes T3-Hormon ist rT3 (reverse T3). Es ist im Prinzip die gespiegelte Form von Triiodthyronin und wird vermehrt ausgeschüttet, wenn der Körper in irgendeiner Form in Stress gerät. Das kann zum Beispiel ein Nebennierenproblem sein, Hungerzustände, psychischer oder körperlicher Stress, entzündliche Prozesse, schwere Allgemeinerkrankungen und eben alles, was der Körper als Stress empfindet. 
Ist der T3-Wert im Verhältnis zu T4 viel höher, ergibt sich vielleicht der Anschein, dass die Versorgung ausreichend sein muss oder sogar schon zu hoch ist, dabei sind einfach zu viele blockierende Hormone im Blut und der T3-Wert ist sozusagen verfälscht. 
Hier gibt es zumindest die Möglichkeit, den rT3-Wert bestimmen zu lassen. Ist er zu hoch, kann das viele Beschwerden erklären und es können Maßnahmen ergriffen werden, um den Wert wieder zu senken. 
Der T3-Wert im Blut gibt also keine spezifische Aussage darüber, welche T3-Hormone genau gebildet und verstoffwechselt werden. Er beinhaltet ein Sammelsurium aller T3-Hormone und eben auch rT3. 


 15.03.2021

Die Nebennieren - ein nicht zu vernachlässigendes Organ bei Hashimoto

Mit der Diagnose „Hashimoto“ richtet sich die Therapie nicht selten nach der Einstellung des TSH-Wertes. Man gibt L-Thyroxin und sobald sich TSH wieder im Normbereich befindet, ist der Patient gut eingestellt. TSH - ein leidiges Thema, das ich sicher noch detaillierter aufgreifen werde. Zum Glück bestimmen viele Ärzte inzwischen auch die freien Schilddrüsenhormone fT4 und fT3.

Befinden sich alle Werte im Referenzbereich, ist dann auch alles in Ordnung und es muss nichts weiter unternommen werden. So denkt man...

Was aber, wenn sich kein gutes Befinden einstellt? Man weiterhin erschöpft ist, eventuell morgens nicht aus dem Bett kommt, immer wieder mit Energieeinbrüchen kämpft und abends dann trotzdem nicht einschlafen kann? Weiterhin unter depressiven Phasen oder Motivationslosigkeit leidet? Oder sich zittrig fühlt, überreizt ist, schnell in Stress gerät, keine Ruhe findet, obwohl man eigentlich völlig erschöpft ist? 

Sehr oft steckt hinter diesen Beschwerden ein Problem mit den Nebennieren. 

Wenn man bedenkt, dass die Schilddrüse als übergeordnete „Leitdrüse“ fungiert, Einfluss nimmt auf die Hormone der Nebennieren und beide normalerweise gut aufeinander eingestimmt sind, ist das kein Wunder. 

Die Nebennieren reagieren auf Stress sehr sensibel mit Hormonausschüttung von Cortisol aus der Nebennierenrinde und Adrenalin und Noradrenalin aus dem Nebennierenmark. Ein super abgestimmtes System, mit dem normalerweise eine gute Stressresistenz erreicht werden kann. Leider leben wir in einer sehr stressbelasteten, erfolgsorientierten Gesellschaft und unsere Nebennieren sind nicht selten überreizt oder sogar schon geschwächt.

Kommt jetzt noch eine Autoimmunerkrankung wie Hashimoto hinzu, müssen die Nebennieren zusätzlich noch Unterstützungsarbeit leisten und benötigen zudem selbst eigentlich auch Schilddrüsenhormone. Nicht selten führt dies zu den oben genannten Symptomen und die Nebennieren können nicht mehr adäquat ihre Hormone ausschütten. 

Als „Supergau“ erweisen sich dann noch die Wechseljahre, bei denen die Nebennieren ja die fehlenden Hormone auch noch ersetzen müssen. 

Selbst bei „gut“ eingestellten Schilddrüsenwerten kann es mitunter lange dauern, bis sich die Nebennieren wieder erholt haben. 

Um herauszufinden, wie gut die Nebennierenrinde arbeitet, kann man zum Beispiel ein Cortisol - Speichelprofil veranlassen und seine Nebennierenrinden dann dementsprechend unterstützen mit adaptogenen Pflanzen, Vitaminen oder Nebennierenextrakt. In seltenen Fällen wird Hydrocortison benötigt, wobei aber zu beachten ist, dass die Nebennieren bei zu hoher Dosis irgendwann ihre Funktion ganz einstellen. 

03.03.2021

Seleneinnahme bei Hashimoto

Das Organ mit dem größten Selengehalt im Körper ist die Schilddrüse. 

Selen ist ein Baustein der sogenannten Deiodasen. Deiodasen sind Enzyme, die unabdingbar wichtig sind für die Herstellung und Umwandlung der Schilddrüsenhormone. Ohne Selen kann zum Beispiel T4 nicht in die aktive Form T3 umgebaut werden.

Selen hat eine sehr hohe antioxidative Wirkung und schützt die Schilddrüse vor Schäden durch Sauerstoffradikale, die während der Hormonsynthese entstehen.

Davon abgesehen ist Selen in der Lage, Schwermetalle wie Blei, Cadmium oder Quecksilber unschädlich zu machen, indem es einen schwerlöslichen Komplex eingeht. Lässt sich ein Selenmangel nur schwer beheben, könnte das durch eine Schwermetallbelastung erklärbar sein. 

In Studien konnte nachgewiesen werden, dass bei Einnahme von 200 Mikrogramm Selen pro Tag die Schilddrüsenantikörper signifikant reduziert werden können. Das ist ein wichtiger Aspekt bei Hashimoto. 

Somit ist Selen ein wichtiger Beitrag, um den Autoimmunprozess bei Hashimoto positiv zu beeinflussen, die Schilddrüse vor oxidativem Stress zu schützen und die Herstellung der Schilddrüsenhormone zu gewährleisten.

Insofern ist es auf jeden Fall ratsam, seinen Selenwert bestimmen zu lassen und gegebenenfalls Selen einzunehmen. 



 18.02.2021

TPO-Antikörper bei Hashimoto 

Bei einer Hashimoto-Erkrankung finden sich in fast allen Fällen Antikörper gegen TPO.

Was ist TPO überhaupt und welche Bedeutung hat es für den Schilddrüsenstoffwechsel?

TPO ist die Abkürzung für Thyreoperoxidase. TPO ist das Schlüsselenzym bei der Herstellung der Schilddrüsenhormone in der Schilddrüse. Es ist somit extrem wichtig, damit überhaupt Schilddrüsenhormone hergestellt werden können. Befinden sich Antikörper gegen TPO im Blut, ist dieser Schritt also sehr erschwert. 

Mit Hilfe von TPO werden die Tyrosinringe am Thyreoglobulin-Molekül (TG) in der Schilddrüse iodiert, um Schilddrüsenhormone herzustellen. Das heißt, es entsteht T1 (Monoiodtyrosin, MIT) mit einem Jodatom, T2 (Diiodtyrosin, DIT) mit zwei Jodatomen und im weiteren Verlauf dann die Schilddrüsenhormone T3 und T4 mit drei bzw. vier Jodatomen. Insgesamt sind mittlerweile übrigens mehr als 30 Schilddrüsenhormone bekannt, die miteinander agieren.

TPO enthält HämB. HämB ist auch bekannt als der eisenhaltige Farbstoff der roten Blutkörperchen. Bei einem Eisenmangel ist dementsprechend auch die Synthese der Schilddrüsenhormone eingeschränkt. Eisen ist also auch ein wichtiger Cofaktor bei der Bildung der Schilddrüsenhormone. 

Somit kann ein erstes Ziel sein, die Antikörper zu senken und gegebenenfalls Eisen zuzuführen. 


08.02.2021

Jod bei Hashimoto?

Vielen Hashimoto-Erkrankten wird empfohlen, Jod zu meiden, da es die Schilddrüse zu sehr anfeuern und womöglich einen Schub auslösen könnte. Außerdem sei der Jodbedarf über die Schilddrüsenmedikamente gedeckt. 

Andererseits kämpfen viele Erkrankte mit einer hartnäckigen inneren Kälte und ständigem Frieren. Wo Schilddrüsengesunde die Heizung abdrehen oder sich den Pulli ausziehen, sitzen Menschen mit Hashimoto in Decken gehüllt vor dem Kamin, um ein wärmendes Wohlgefühl zu erreichen. 

Was hat das mit Jod zu tun? 

Nicht nur die Schilddrüse benötigt Jod, sondern auch jede unserer Körperzellen. Jedes Organ benötigt Jod oder Jodid in unterschiedlicher Menge. 

Die Schilddrüse, die Eierstöcke, Haut und Gehirn müssen mit Jodid versorgt werden, andere Systeme wie die Brustdrüse oder die Prostata mit Jod.  

Gerade Organdrüsen wie die Speicheldrüsen, die Brustdrüse, Eierstöcke, Prostata, Tränendrüse, Nebennieren werden kontinuierlich über die sogenannten Natrium-Jodid-Transporter mit Jod/Jodid versorgt, damit sie optimal funktionieren können.

Jod ist also nicht nur da, um Schilddrüsenhormone zu bilden, sondern hat zusätzlich viele wichtige Funktionen im Körper. 

Jod aktiviert zum Beispiel die Energiegewinnung in den Mitochondrien, erzeugt Wärme, neutralisiert Radikale, entfernt schädliches Fluor, Chlor oder Brom aus den Zellen und entgiftet Schwermetalle, zerstört Krankheitserreger wie Pilze, Viren oder Bakterien, fördert die Bildung von Östradiol in den Eierstöcken, fördert die Hirnleistung, verringert den Insulinbedarf, macht verhärtetes Gewebe wieder weich und verhindert nachweislich manche Formen von Krebs, vor allem in Schilddrüse, Brust, Eierstock und Gebärmutter, Magen und Speiseröhre… und Jod kann noch viel mehr.

Somit benötigt auch jeder Hashimoto-Erkrankte Jod. Jod ist lebenswichtig. Zu beachten gilt aber, dass jodsensible Menschen  nur kleinste Mengen an Jod benötigen, während jodresistente Menschen dagegen einen sehr hohen Jodbedarf haben. 

Die Frage ist hier also nicht, ja oder nein, sondern wieviel und welche Cofaktoren müssen eventuell zugeführt werden. 

08.02.2021

Umwandlungsstörung bei Hashimoto

Jeder 6. Hashimoto-Patient hat eine Umwandlungsstörung und ist nicht einstellbar mit einem Medikament, das nur die Speicherform Thyroxin (T4) enthält! Er benötigt unbedingt auch aktive Formen wie zum Beispiel T3!

Eine Umwandlungsstörung kommt recht häufig vor bei Hashimoto-Erkrankten, wird aber leider oft nicht diagnostiziert, weil entweder nur der TSH-Wert bestimmt wird oder die freien Werte nicht genau interpretiert werden. Ich glaube, ein genauerer Blick auf die Laborwerte würde viel Leid ersparen.

Normalerweise sollten die beiden Laborwerte fT4 und fT3 im mittleren bis oberen Normalbereich liegen. Besteht eine Umwandlungsstörung, liegt der fT3-Wert im Verhältnis zu fT4 zu tief. 

Das heißt, der Körper ist nicht in der Lage, genügend aktives Schilddrüsenhormon herzustellen. Schaut man nur, ob die Werte im Normalbereich sind oder ob der TSH-Wert in Ordnung ist, wird man nicht erkennen, dass jemand mit einer Umwandlungsstörung trotz "Normalbefund" Symptome einer Unterfunktion hat.

Mit einem reinen T4-Präparat alleine wird man bei einer Umwandlungsstörung nicht aus den Unterfunktionssymptomen kommen. Hier kann eine Zugabe von T3 helfen oder ein Umstieg auf natürliches Schilddrüsenextrakt vom Schwein oder Rind (NDT). 

25.01.2021

 

Bedeutung von Vitamin D bei Hashimoto

Menschen, die an Hashimoto-Thyreoiditis erkrankt sind, haben mehr als doppelt so häufig einen schweren Vitamin D-Mangel als Gesunde. 

Vitamin D ist der Schilddrüse und den Nebenschilddrüsen bei der Regulierung des Calciumstoffwechsels behilflich. Fehlt die Schilddrüse oder sind zu viele C-Zellen in der Schilddrüse durch den Autoimmunprozess zerstört, kann es zu Störungen im  Calciumstoffwechsel kommen, weil die Feinregulierung fehlt. 

Am meisten bekannt ist Vitamin D in seiner Funktion zur Vorbeugung von Osteoporose, zur Festigkeit von Knochen und Gewebe und zur Infektprophylaxe. Vitamin D ist aber sehr viel mehr als das. Im eigentlichen Sinne ist es auch kein Vitamin, sondern ein Steroidhormon. 

Erwiesenermaßen kann ein Mangel an Vitamin D eine Anzahl von Autoimmunerkrankungen begünstigen wie zum Beispiel, Morbus Crohn, MS, Rheumatoide Arthritis oder Diabetes I. 

Für Hashimoto gibt es noch keine gute Studienlage, aber viele Beschwerden, die bei Hashimoto zu finden sind, stehen in Verbindung mit einem Vitamin D-Mangel. Hebt man den Vitamin D-Spiegel auf ein gutes Niveau, verbessern sich sehr häufig auch die Beschwerden. 

Durch die Autoimmunvorgänge im Körper ist der Bedarf an Vitamin D zusätzlich um ein Vielfaches erhöht. Das erklärt, warum der Vitamin D-Spiegel bei Hashimoto oftmals nur schwerlich angehoben werden kann oder schnell wieder absinkt. 

Vitamin D kann helfen, die Antikörper (TPO) zu senken und den Autoimmunprozess zu stoppen. Außerdem kann es das Wachstum neuer Schilddrüsenzellen fördern, sobald die Entzündung ausgeheilt ist. 

Somit ist es sinnvoll, seinen Vitamin D-Spiegel bestimmen zu lassen und wahrscheinliche Mängel großzügig auf hohe Normwerte aufzufüllen und dann eine Erhaltungsdosis einzunehmen. 


22.01.2021

Hashimoto und der Darm

Wie wir alle inzwischen wissen, ist der Darm wesentlich an einem gut funktionierenden Immunsystem beteiligt. Ich glaube, inzwischen gibt es kaum noch jemanden, der von einem wirklich gesund-funktionierenden Darm profitieren kann. Es sei denn, er tut aktiv etwas dafür. Deshalb kann es sehr hilfreich sein, sich mit Leaky gut, Gluten, Entgiftung, Darmfehlbesiedelung usw. zu befassen. 

Bei Leaky Gut, können kleinste Nahrungsbestandteile den porösen Darm durchwandern, die dann zu Entzündungsreaktionen führen und die Bereitschaft für eine Autoimmunreaktion fördern.

Hier ist auch die Glutensensitivität zu nennen, bei der man dann auf das in glutenhaltigen Lebensmitteln befindliche Eiweiß Gliadin reagiert. Mehr zu Gluten und den Lektinen findest du im Artikel "Ernährung bei Hashimoto"

Was uns Hashimoto-Erkrankten betrifft, ist auch hier festzustellen, dass der Heilungsverlauf oft günstiger verläuft, wenn man das Mikrobiom im Darm unterstützt, die Fehlbesiedelung beseitigt und sich glutenfrei ernährt. 

Vielen Autoimmunerkrankte haben gleichzeitig oder schon vorher auch irgendwelche Probleme mit dem Darm. Sei es ein Leaky Gut (durchlässiger Darm), SIBO (Dünndarmfehlbesiedelung), Lebensmittelunverträglichkeiten oder andere Störungen im Darm. 

Oft entzündet sich die Schilddrüse, weil es im Darm eine schlechte Besiedelung gibt. Kleinste Nahrungsbestandteile können durch eine poröse Darmwand wandern und eine Entzündungsreaktion hervorrufen. Sehr viele entwickeln eine Glutensensitivität, Histaminintoleranz oder vertragen keine Laktose mehr. 

Nicht jeder Hashimoto-Erkrankte muss eine glutenfreie, histaminarme und kuhmilchfreie Ernährung anstreben. Grundsätzlich kommt es immer darauf an, was der Körper daraus macht und ob er überhaupt negativ darauf reagiert. 

  17.01.2021

Warum erkranken mehr Frauen als Männer an Hashimoto-Thyreoiditis? 

 

Das weibliche Hormonsystem ist sehr komplex und erfordert ein genaues Zusammenspiel verschiedener Hormone, damit die monatliche Menstruation, eine Schwangerschaft oder die Stillzeit bewerkstelligt werden können. Nebennieren, Geschlechtsdrüsen und die große Schwester Schilddrüse arbeiten hier sehr eng miteinander. Spätestens in den Wechseljahren, in denen die Geschlechtsdrüsen allmählich ausfallen und keine Hormone mehr bereitstellen können, ist es umso wichtiger, dass andere Hormondrüsen wie die Nebennieren oder die Schilddrüse gut funktionieren, um weiterhin einen stabilen Hormonhaushalt zu gewährleisten. 

Bemerkenswert ist, dass Hashimoto sehr oft in hormonellen Umstellungsphasen auftritt wie in Pubertät, nach der Geburt eines Kindes oder in den Wechseljahren. Oft kommt es auch in oder nach schwierigen Lebensphasen, wo das hormonelle System aus den Fugen gerät, zu dieser Autoimmunerkrankung. 
Hinzu kommt, dass wir Frauen viel sensibler auf die Östrogene oder östrogenartigen Stoffe in unserer Umwelt reagieren, was erhebliche Probleme mit sich bringen kann.

Aber auch das hormonelle System der Männer kann dadurch gehörig durcheinanderkommen und zu einem Östrogenüberschuss bzw. relativen Testosteronmangel führen.  

Hashimoto-Thyreoiditis kann deshalb nicht nur rein in Bezug auf die Schilddrüse betrachtet werden und es ist sinnvoll, die Hormonsysteme insgesamt zu betrachtet, um dann die Symptome einordnen und behandeln zu können.  


 12.01.2021

Kasein A1 versus Kasein A2

Dass viele Menschen mit Hashimoto-Thyreoiditis ein Problem haben, Laktose abzubauen, ist inzwischen weit verbreitet und dafür gibt es schon sehr viele laktosefreie Milchprodukte. 

Interessanter ist inzwischen aber die Erkenntnis, dass sich das Kasein in der Milch unserer Kühe durch Mutationen verändert hat und dieses Kasein A1 in ein lektinähnliches Protein umgebaut wird, was wiederum zu einer Autoimmunreaktion führen kann. 

Das "schädliche" Kasein A1 befindet sich hauptsächlich in der Milch unserer nordischen, gefleckten Kuh. Die braunen Kühe scheinen Milch mit Kasein A2 zu produzieren. Die braunen Kühe werden überwiegend im Alpenland gezüchtet, da sie mit Höhe und rauem Klima etwas besser zurechtkommen. Dafür geben sie etwas weniger Milch als die gefleckten Kühe. In Heumilch aus dem Allgäu ist somit aller Wahrscheinlichkeit nach Kasein A2 enthalten.

Will man nicht ganz auf Milch verzichten, kann man auf Ziegen- oder Schafmilch ausweichen, die immer noch besser verträglich ist als Kuhmilch und meines Wissens auch nur Kasein A2 enthält. 

Ich dachte früher, dass ich mit Laktose ein Problem hätte. Tatsächlich ist es aber das Kasein A1, was mir Probleme bereitet. Ziegen- oder Schafmilch vertrage ich ohne Einschränkung. 

Milch im Allgemeinen ist meines Erachtens trotzdem kein Lebensmittel, das in größeren Mengen zugeführt werden sollte.